Drei Tote auf einem eigentlich sicheren Badesee, der bis 2016 ohne tödliche Unfälle geblieben ist. Alle Toten sind Nichtschwimmer gewesen.

Die Rede ist vom Eiserbachsee in Simmerath-Rurberg. Dieser ist eine Vorsperre der Rurtalsperre Schwammenauel (Rursee) und ein beliebter Badesee in der Städteregion Aachen. An Wochenenden und in den Sommerferien in Nordrhein-Westfalen wird er von der DLRG bewacht. Diese haben jedoch NICHT die Befugnisse  von Bademeistern, daher haben sie gegenüber Badegästen KEINE Weisungsbefugnisse wie es in den sozialen Medien teilweise nach dem ersten tödlichen Badeunfall bei dem ein vierzehnjähriger Nichtschwimmer aus Belgien zu ertrank. In den sozialen Medien gab es neben Anteilnahme und Mitgefühl eine Hetzjagd gegen die Einsatzkräfte.  Diese richteten sich vor allem gegen das Personal der DLRG.

Eine weitere Person über die es unterschiedliche Angaben gibt, die Staatsanwaltschaft sprach gegenüber der Aachener Zeitung von einem Pädagogen, andere Quellen von einem Heilpraktiker setzte ein weiteres fatales Signal. Er zeigte alle beteiligten Rettungskräfte wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung an. Ein derartiges Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht für alle ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Ohne sie würden in Deutschland weder die Feuerwehr (inklusive technischer Rettungen), der Katastrophenschutz und teilweise auch der Rettungsdienst funktionieren. Wenn die Ehrenamteler nebendem immensen Zeitaufwand, teilweise auch finanziellen Mehrausgaben für Ausrüstung… und einer teilweise nicht einmal Ansatzweise vorhandenen Akzeptanz durch die Familie  und besonders den Arbeitgeber auch noch bei jeder Rettungsaktion vor einer Klage Angst haben müssen.

Die Wirkung eines solchen Signals, auch wenn seitens der Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt wurde sollte nicht unterschätzt werden. Im schlimmsten Fall wird es noch schwieriger Nachwuchs zu finden, was  zum Kollaps des gesamten deutschen Rettungswesens führen. Die Staatsanwaltschaft Aachen ist für Umsicht und Gründlichkeit bekannt. Durch andere Staatsanwaltschaften kam es jedoch bereits zu äußerst kuriosen Klagen.

Jedoch sollte man sich seitens der Politik eventuell aufkommenden Forderungen reaktionärer Kräfte wie beispielsweise dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt zu erwarten sind verwahren. Diese könnten beispielsweise in die Richtung gehen, dass eine Anzeige gegen die Polizei oder Rettungskräfte nicht mehr möglich ist. Jedoch ist es in einem Rechtsstaat extrem wichtig, dass bei dem Verdachht, dass Unrecht geschehen ist eine Anzeige selbst gegen höchste Organe staatlicher Gewalt möglich ist.

Die ebenfalls auf Blaulicht Aachen veröffentlichte Sommerbilanz der DLRG spricht ebenfalls Bände, seit Jahren steigt die Zahl der Ertrinkungsunfälle an. Die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung nahm im gleichen Zeitraum ab. Das selbe Problem ist nach Auskunft der Royal Lifesaving Society in England ebenfalls verbreitet, ins besondere die Corona-Pandemie spielte hier eine wichtige Rolle.

Jetzt sind schnelle und kreative Lösungen gefragt, ein sehr gutes Beispiel kann ausgerechnet am Eiserbachsee ausgemacht werden. Die Verwaltung der Gemeinde Simmerath verbot einerseits Nichtschwimmern das  Baden im Eiserbachsee bis der Pegel wieder gestiegen ist, andererseits wurde das Technische Hilfswerk zur Amtshilfe angefordert und Pumpte wochenlang Wasser aus dem oberen Rursee in den Eiserbachsee. Andererseits muss die hohe Anzahl an Nichtschwimmern bekämpft werden! Der beste Wasserrettungsdienst ist ineffektiv wenn fast die Hälfte der Bevölkerung nicht sicher schwimmfähig ist.

Um dieses Problem zu beheben ist der Kahlschlag in der Bäderinfrastruktur zu stoppen. Gleichzeitig muss an JEDER Schule Schwimmunterricht stattfinden und JEDER Schüler und JEDE Schülerin daran teilnehmen, ohne Ausnahme aus anderen als medizinischen Gründen. Bei nichteinhaltung dieser Regeln müssen empfindliche Sanktionen drohen an sonsten drohen  in einigen Jahren noch höhere Ertrinkungszahlen als jetzt schon.

Es reicht! Die Politik auf allen Ebenen ist JETZT gefordert. Wie viele Kinder müssen noch sterben, wie viele Familien müssen noch trauernd am Grabe eines Kindes stehen bis etwas geschieht um die Ursache des Problems zu Bekämpfen und nicht nur die Symptome zu bekämpfen. Jetzt ist ein gegensteuern noch möglich.

Leo M. Schmelcher

Redaktionsleiter

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